Carbon & Stahl

Allgemeine Informationen

Die Konzerreihe Carbon & Stahl geht auf eine Initiative des VHS-Direktors Karl-Heinz Schäffner und des Präsidenten der Gitarrengesellschaft Kultur & Gitarre, Dietmar Oliver Kunzler, zurück. Die Konzerte starteten im Jahr 2000 und der Name der Veranstaltung lehnt sich an Völklingens wirtschaftliche Verquickung mit Kohle, Eisen und Stahl an.

Zuerst wurden die Konzerte im Alten Bahnhof veranstaltet, vor einigen Jahren zog man aber um in den Großen Saal der VHS Völklingen im Alten Rathaus. Bekannte Künstler aus der Region und Deutschland, aber auch international renommierte „Meister der Saiten“ zeigten ihr enormes Können in zahlreichen Konzerten. Mittlerweile ist es nicht mehr eine „geschlossene“ Veranstaltung für Gitarren, sondern auch Harfe, Blas- und Tasteninstrumente  bereichern mit neuen Tönen einige der Konzerte. Das musikalische Sprektrum umfasst Weltmusik, Folk, Jazz, Klassik und New acustic guitar.

Termine: donnerstags von Herbst bis Frühjahr
Uhrzeit: jeweils 19:30 Uhr
Ort: Altes Rathaus, Völklingen
Eintritt: 15,00 € | Abo 75,00 €
Vorverkauf: VHS Völklingen, Altes Rathaus, Tel. 06898 / 132080

Interview mit Dietmar Oliver Kunzler, Oberbürgermeister Klaus Lorig und VHS-Direktor Karl-Heinz Schäffner anlässlich des 10jährigen Bestehens der Konzertreihe

Redaktion: Herr Kunzler, Sie hatten im Jahr 2000 gemeinsam mit Karl-Heinz Schäffner die Idee zu einer Gitarrenserie in Völklingen. Wie kam es dazu?

Dietmar Oliver Kunzler

Dietmar Oliver Kunzler

Kunzler: Die Gitarrengesellschaft Kultur & Gitarre, deren Präsident ich bin, hat sich die Aufgabe, gestellt die Gitarrenmusik in all ihren Ausprägungen zu fördern und populärer zu machen. Unter anderen Aktivitäten versuchen wir potentielle Veranstalter, wie z. B. Städte und Gemeinden bei ihren kulturplanerischen Aktivitäten zu unterstützen und unser fachliches „know how“ zur Verfügung zu stellen. Durch einen glücklichen Zufall lernte ich den Kulturamtsleiter Karl-Heinz Schäffner anlässlich eines meiner Auftritte als Gitarrist kennen. Das anschließende Gespräch war die Geburtsstunde von Carbon & Stahl. Schon nach kurzer Zeit hatten wir ein gemeinsames Konzept erarbeitet und starteten sofort mit der Serie.

Redaktion: Der Name Carbon & Stahl ist sehr ungewöhnlich für eine Gitarrenserie. Wie kam dieser Titel zustande?

Kunzler: Völklingen ist eine Stadt der Kohle, des Eisens und des Stahls. Die Verbindung zur Gitarre lag für mich auf der Hand. Kohle, genauer Carbon, und Stahl sind auch die Materialien, die für Gitarrensaiten verwendet werden.

Schäffner: Hinzu kommt, dass die Gitarrenmusik in Völklingen lange Tradition hat.

Kunzler: Das kann ich bestätigen: Die Gitarre ist unter den klassischen Instrumenten eines der jüngsten. So ist z. B. die Konzertgitarre, die wir heute spielen, erst 150 Jahre alt und wurde von Klassikgitarristen wie Tarrega oder Segovia Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts populär gemacht. In den dreißiger Jahres des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte sich die Elektrogitarre, die zunächst im Jazzbereich und dann im Rock-Pop Bereich Furore machte. Rund um die Industriezentren der Schwerindustrie, in Deutschland also das Ruhrgebiet und das Saarland, gründeten sich Ende des 19. Jahrhunderts Mandolinen- und Wandervereine. Man traf sich zum Musizieren und Wandern und fand so einen Ausgleich zur körperlich schweren Arbeit in den Hütten- und Bergwerken. Das trifft auch für Völklingen zu. Hier gibt es bis heute mehrere Mandolinen- und Wandervereine. Auf dieser Tradition und dem Hype der Gitarrengruppen in den 60er und 70er Jahren mit Bands wie den Beatles, Rolling Stones oder Santana wurde die Gitarre das Instrument der „68er Generation“. Man kann sagen Die Gitarre ist stilübergreifend das Instrument des zwanzigsten Jahrhunderts.

Redaktion: Herr Schäffner, wie haben Sie den Beginn der Serie in Erinnerung?

Karl-Heinz Schäffner

Karl-Heinz Schäffner

Schäffner: Nachdem der Alte Bahnhof unter Denkmalschutz gestellt wurde, wurde das Gebäude aufwendig restauriert und mit neuen Inhalten versehen. Dazu gehörte die Entwicklung neuer Kulturevents. Nachdem ich Dietmar Oliver Kunzler kennengelernt habe, der meine Schwäche für Gitarrenmusik direkt erkannt hat, haben wir eine Gitarrenserie konzipiert. Das Kulturprodukt passte sehr gut ins Ambiente des Alten Bahnhofs. Vor zehn Jahren haben wir die Kulturarbeit in Völklingen stark ausgebaut. Dabei haben wir mehrere Serien wie die City Open Air’s oder den Völklinger Hüttenjazz, den wir gemeinsam mit dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte veranstalten, ins Leben gerufen. Carbon & Stahl wurde ebenfalls als Serie mit einer Folge von sechs Konzerten angelegt. Diese Strategie hat sich bewährt und wird an anderer Stelle vielfach nachgeahmt.

Redaktion: Herr Lorig, Sie brauchte man sicherlich nicht für diese Serie zu begeistern! Sie waren damals noch Stadtverordneter im Kulturausschuss.

Lorig: Ich spiele selbst leidenschaftlich Gitarre, meine Söhne übrigens auch, auch wenn die Musikrichtung verschieden ist, und war von Anfang an begeistert. Mit dieser Serie können wir die Vielfalt und „Vielsaitigkeit“ der Gitarrenmusik aufzeigen. Jede Stadt hat ihre eigenen Kulturevents und entwickelt somit ein eigenes Kulturimage. Als Oberbürgermeister sehe ich Völklingen auf dem Weg zur „Gitarrenstadt“. Mit der Serie Völklinger Hüttenjazz und dem Internationalen Duo-Wettbewerb Voice & Guitar der Völklinger Energiestiftung sind wir unserem Ziel ein Stück näher gekommen. Es ist schön zu sehen, wie wir in den zehn Jahren unsere Bürgerinnen und Bürger für die Gitarrenmusik begeistern konnten.

Schäffner: Ergänzend zu den Kulturevents bieten wir an unserer Volkshochschule regelmäßig Gitarrenkurse an. Dietmar Kunzler bietet zudem professionelle Workshops in unterschiedlichen Themenbereichen an, z. B. aktuell einen Brasilworkshop.

Karl-Heinz Schäffner und Dietmar Oliver KunzlerRedaktion: Nach welchen Kriterien stellen Sie als künstlerischer Leiter das Programm zusammen?

Kunzler: Wir wollen die Vielfalt der Gitarre populär machen. So suche ich interessante Künstler aus den Bereichen Weltmusik, Jazz, Klassik und New acustic guitar. Auch verwandte Instrumente wie z. B. Banjo, Charango oder Cavaquinho tauchen in der Serie auf. Meine Frau und ich besuchen seit mehr als 25 Jahren sehr viele Gitarrenfestivals, –konzerte und Wettbewerbe. Wir wissen also, was aktuell läuft, und können so die interessantesten Interpreten nach Völklingen einladen.

Klaus Lorig

OB Klaus Lorig

Lorig: Was mich immer wieder erstaunt, ist, dass Dietmar Oliver Kunzler in einem solch hohen Niveau die besten Gitarristen nach Völklingen holt. Die Serie hat über das Saarland hinaus Beachtung gefunden. Sie ist ein fester Bestandteil unserer Kulturarbeit geworden.

Redaktion: Wie geht’s nach 10 Jahren weiter?

Kunzler: Das Konzept, Gitarrenkonzerte aus den Bereichen Weltmusik, Jazz, Klassik und New acustic guitar zu gestalten, hat sich bewährt. Mir gehen die Ideen so schnell nicht aus, es gibt noch sehr viele interessante Künstler.

Lorig: Zehn Jahre Carbon & Stahl ist für mich eine Erfolgsbilanz. Ohne die verantwortlichen Köpfe wäre dies nicht möglich gewesen. Ich bedanke mich bei der Gesellschaft Kultur & Gitarre, insbesondere bei Dietmar Oliver Kunzler und seiner Frau Elke. Ein solches Engagement findet man nicht allzu häufig. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Serie noch viele Jahre weiter Bestandteil der Kulturarbeit in unserer Stadt bleibt.

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